Die Gruppe [sic!] hat einen Text über die Proteste der Studierenden geschrieben und stellt zurecht fest, das „Chancengleichheit in unserem System (herrscht), denn der Begriff „Chancengleichheit“ basiert auf der simplen Tatsache, dass es Konkurrenz gibt. Der Staat hingegen wird sich seiner Rolle als Chancengeber bereits bewusst und gibt jedem die Möglichkeit, am Wettbewerb teilzunehmen, was bedeutet, dass es IMMER Gewinner und Verlierer gibt.“
Dazu folgende Verdeutlichungen:
1. Wenn es um gleiche Chancen geht, dann geht es eben darum, das jeder sich unter den gleichen Bedingungen bewähren kann, also auch muss. Die ‚Bedingungen‘ sind hierzulande in Bezug auf das Studium mindestens folgende: a) Man muss in der schulischen Konkurrenz zu den 20-30 % der Besten gehören. Mehr sind nicht für’s Abitur vorgesehen. Jeder Abiturient hat also 2-4 andere Schülerinnen und Schüler schon aus dem Rennen geschlagen. b) Bei der Bewerbung um einen Studienplatz konkurriert man wieder – mit den anderen Gewinnern der Schulkonkurrenz. c) Das setzt sich fort bis ans Ende des Studium.
2. Was danach kommt – die Konkurrenz um die Jobs der Elite – ist wiederum eine Konkurrenz, wenn auch eine etwas anders gelagerte. In diese Konkurrenz wollen sich Studierende stürzen und verlangen vom Staat, der er es ihnen auch ermöglicht.
Das basiert auf einer Verwechslung, die zwei verdammt starke Idealismen zeigt:
a) Die Ermöglichung der Konkurrenz unter für alle gleichen Bedingungen – Chancengleichheit – soll dazu führen, das sie auch jeweils individuell zu den Gewinnern gehören.
Nur das war nie versprochen. Wer konkurrieren darf, kann auch verlieren. Das allerdings halten die Leute für ausgeschlossen, weil sie von sich als Gewinner überzeugt sind. Wenn sie dann feststellen, dass das nicht notwendigerweise auch herauskommt, werden sie kritisch. Nur nicht gegenüber ihrem Idealismus von der chancengleichen Konkurrenz, sondenr gegenüber dem Staat, der ihnen den Erfolg in der Konkurrenz nicht garantiert, den sie in der Chancengleichheit verwirklicht sehen. Weil sie sich für geborene Gewinner halten, die ein Recht auf Sieg in der Konkurrenz haben. Das ist der 1. Idealismus: Ihr Recht auf Sieg, der in ihrer Person begründet liegt.
b) Sie glauben – das ist der 2. Idealismus – dass das der eigentliche Auftrag des Staates in bildungspolitischen Fragen ist. Was nicht stimmt, wie schon gezeigt.
3. Das sich der Staat seiner Rolle als Chancengeber bewusst werde, könnte eine komische Formulierung sein – oder aber falsch. Denn er richtet ja das freie und gleiche konkurrieren ein, ist sich also vor der Tat schon dessen bewusst, was er da macht.
Soweit erstmal